Motorrad-Prüfungsübungen Klasse A

Bei der praktischen Motorradprüfung für die Klassen A1, A2 und A musst du dein Motorrad nicht nur im Straßenverkehr sicher beherrschen. Ein eigener Prüfungsteil findet im verkehrsfreien Raum statt. Dabei werden langsame Fahrmanöver, Kurven- und Slalomtechnik sowie Brems- und Ausweichmanöver überprüft.

FahrzeugbeherrschungBalance, Blickführung, Sitzposition und eine saubere Fahrlinie stehen im Mittelpunkt.
Langsam und schnellDie Übungen reichen von Schrittgeschwindigkeit bis zu Manövern mit mindestens 50 km/h.
A1, A2 und ADie Übungen im verkehrsfreien Raum sind Bestandteil der praktischen Prüfung der Motorradklassen.

Die praktische Motorradprüfung

Die praktische Fahrprüfung besteht grundsätzlich aus vier Teilen:

AÜberprüfung am FahrzeugTechnische Kontrollen, Bedienung, Bekleidung und unter anderem das Rangieren ohne Motor.
BÜbungen im verkehrsfreien RaumHier zeigst du die sichere Beherrschung des Motorrads bei unterschiedlichen Geschwindigkeiten.
CFahren im VerkehrDu fährst selbstständig im realen Straßenverkehr und setzt Verkehrsregeln und Blicktechnik praktisch um.
DBesprechung erlebter SituationenBestimmte Situationen der Prüfungsfahrt können anschließend mit dem Prüfer besprochen werden.
Wichtig: Rangieren ohne Motor gehört im aktuellen Prüfungsprotokoll zum Teil „Überprüfung am Fahrzeug“ und nicht mehr zu den eigentlichen Fahrübungen im verkehrsfreien Raum.

Welche Motorradübungen werden geprüft?

Im verkehrsfreien Raum werden mehrere unterschiedliche Fähigkeiten geprüft. Dazu gehören insbesondere langsames Geradeausfahren, Achterfahren, Slalom, Zielbremsung und enges Einbiegen. Zusätzlich schreibt die Fahrprüfungsverordnung für die Motorradklassen Fahrübungen mit höherer Geschwindigkeit vor: eine Fahrübung mit mindestens 30 km/h, das Ausweichen vor einem Hindernis mit mindestens 50 km/h und eine Gefahrenbremsung mit mindestens 50 km/h.

Spurgasse
Langsames Geradeausfahren in Schrittgeschwindigkeit.
Achterfahren
Mindestens zwei Achterschleifen mit sauberer Blickführung.
Slalom
Vier Leitkegel mit deutlichem Schräglagenwechsel.
Zielbremsung
Dosiert aus etwa 30 km/h in einer Zielbox anhalten.
Enges Einbiegen
Aus dem Stand kontrolliert rechts oder links einbiegen.
Ausweichen und Gefahrenbremsung
Die schnellen Sicherheitsübungen werden mit mindestens 50 km/h gefahren.

1. Spurgasse – langsam geradeaus fahren

In der Spurgasse geht es um Balance und Kupplungsgefühl. Du fährst möglichst langsam und gerade durch die markierte Strecke. Als Richtwert gilt ungefähr 1 m/s beziehungsweise Schrittgeschwindigkeit.

Möglichst gerade Fahrlinie halten.
Innerhalb der markierten Strecke bleiben.
Kupplung am Haltepunkt fein dosieren.
Schrittgeschwindigkeit nicht wesentlich überschreiten.
Merke: Nicht auf die Begrenzung unmittelbar vor dem Motorrad starren. Eine ruhige Blickführung nach vorne erleichtert das Gleichgewicht.

2. Achterfahren

Motorrad Prüfungsübung Achterfahren

Beim Achterfahren fährst du im 1. Gang mindestens zwei Achterschleifen. Wichtig sind eine korrekte Körperhaltung, eine vorausschauende Blickführung, gleichmäßiges Tempo und eine runde Fahrlinie.

  • 1. Gang
  • mindestens zwei Achterschleifen
  • gleichmäßiges Tempo
  • runde Fahrlinie
  • Blick dorthin richten, wo du hinfahren willst

3. Slalom

Der aktuelle Slalom unterscheidet sich deutlich von der früheren langsamen Slalomübung: Es werden vier Leitkegel im Abstand von jeweils 8 Metern verwendet. Gefahren wird mindestens im 2. Gang und so schnell, dass ein deutlicher Schräglagenwechsel erkennbar ist.

Vier Leitkegel mit jeweils 8 m Abstand.
Mindestens im 2. Gang fahren.
Blick zum entferntesten Leitkegel führen.
Gleichmäßige Linie und deutlicher Schräglagenwechsel.
Wichtig gegenüber älteren Anleitungen: Der frühere langsame Slalom mit sechs Kegeln im Abstand von 4 Metern entspricht nicht mehr der aktuellen Übungsbeschreibung. Deshalb verwenden wir dafür auch die alte Skizze nicht mehr.

4. Zielbremsung

Motorrad Prüfungsübung Zielbremsung

Bei der Zielbremsung näherst du dich mit mindestens etwa 30 km/h. Anschließend bremst du degressiv – die Bremskraft nimmt also zum Ende hin ab – und bringst das Motorrad vollständig innerhalb der markierten Zielbox zum Stillstand.

  • Anfahrtsgeschwindigkeit mindestens etwa 30 km/h
  • degressiv bremsen
  • Motorrad vollständig in der Zielbox anhalten
  • nicht mit Kupplung oder Motor „nachhelfen“

5. Enges Einbiegen

Motorrad Prüfungsübung enges Einbiegen

Du startest annähernd im rechten Winkel zur späteren Fahrtrichtung. Der kurveninnere Fuß stützt im Stillstand ab. Unmittelbar nach dem Anfahren leitest du eine kontrollierte, ungefähr rechtwinkelige Richtungsänderung ein.

  • rechts oder links möglich
  • kurveninnerer Fuß stützt im Stillstand ab
  • Richtungsänderung unmittelbar beim Wegfahren beginnen
  • runde Fahrlinie
  • Blick bereits beim Anfahren in Einbiegerichtung

6. Vermeiden eines Hindernisses

Motorrad Prüfungsübung Hindernis ausweichen

Beim Ausweichmanöver musst du einem Hindernis mit einer Geschwindigkeit von mindestens 50 km/h ausweichen. Die gefahrene Geschwindigkeit wird mit einer Messanlage oder einem anderen geeigneten technischen Hilfsmittel überprüft.

  • mindestens 50 km/h
  • Blick am Hindernis vorbei in die gewünschte Fahrtrichtung
  • Motorrad kontrolliert und sicher ausweichen
  • saubere Fahrlinie vor und nach dem Manöver
Geschwindigkeit zählt: Bei den Übungen, für die eine Mindestgeschwindigkeit vorgeschrieben ist, wird die tatsächlich gefahrene Geschwindigkeit technisch kontrolliert.

7. Gefahrenbremsung

Motorrad Prüfungsübung Gefahrenbremsung

Die Gefahrenbremsung beginnt ebenfalls mit mindestens 50 km/h. Ziel ist, möglichst rasch eine hohe Bremswirkung aufzubauen und das Motorrad kontrolliert zum Stillstand zu bringen. Auch hier wird die Anfahrtsgeschwindigkeit technisch überprüft.

  • mindestens 50 km/h Anfahrtsgeschwindigkeit
  • Bremswirkung rasch aufbauen
  • Vorder- und Hinterradbremse situationsgerecht einsetzen
  • Motorrad stabil und kontrolliert zum Stillstand bringen

Rangieren ohne Motor

Auch wenn das Rangieren nicht mehr zu den eigentlichen Fahrübungen im verkehrsfreien Raum gezählt wird, ist es weiterhin prüfungsrelevant. Im Teil „Überprüfung am Fahrzeug“ können unter anderem folgende Aufgaben vorkommen:

Motorrad sicher auf den Hauptständer stellen.
Motorrad sicher auf den Seitenständer stellen.
Motorrad richtig halten und geradeaus schieben.
Motorrad sicher um 180 Grad wenden.

Worauf achtet der Prüfer?

Bei den Übungen geht es nicht nur darum, irgendwie durch den Parcours zu kommen. Bewertet wird vor allem, ob du das Motorrad sicher, kontrolliert und mit richtiger Blicktechnik beherrschst.

Blickführung
Der Blick führt das Motorrad – nicht unmittelbar vor das Vorderrad schauen.
Sitzposition
Stabile Körperhaltung und guter Knieschluss unterstützen die Fahrzeugkontrolle.
Fahrlinie
Runde, gleichmäßige und kontrollierte Linien fahren.
Tempo
Die für die jeweilige Übung erforderliche Geschwindigkeit einhalten.
Prüfungstipp: Übe nicht nur den Parcours auswendig. Blickführung, Kupplungsgefühl, Balance und Bremsdosierung müssen so sicher sitzen, dass du dich auch bei Prüfungsstress auf das Motorrad verlassen kannst.

Kurz zusammengefasst

LangsamfahrbereichSpurgasse, Achterfahren, Slalom, Zielbremsung und enges Einbiegen prüfen die grundlegende Fahrzeugbeherrschung.
Schnelle ManöverAusweichen und Gefahrenbremsung werden mit mindestens 50 km/h durchgeführt.
RangierenDas Rangieren ohne Motor wird im aktuellen Prüfungsprotokoll dem Teil „Überprüfung am Fahrzeug“ zugeordnet.

Rechtsgrundlage und Stand

Grundlage sind insbesondere § 6 Fahrprüfungsverordnung (FSG-PV) und das Prüfungsprotokoll beziehungsweise das Handbuch für die praktische Fahrprüfung der Klasse A. Stand: September 2026.